
Das Heinrich-Heine-Portal schöpft aus den Arbeitsergebnissen mehrerer Forschergenerationen, indem es die beiden historisch-kritischen Heine-Gesamtausgaben, die unabhängig voneinander in der Bundesrepublik
Kurzbeschreibung des Projekts
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts etabliert sich die Vermittlung von Literatur im deutschsprachigen Unterricht an höheren Schulen. Das Vorhaben untersucht den Diskurs dieser Entwicklung zwischen 1796 und 1890 mit einem Schwerpunkt auf Preußen. Grundlegend hierfür sind das digitale Korpus Fachlichkeit des Deutschunterrichts: Literaturvermittlung (FaDe:Live) sowie die methodologische Verschränkung einer qualitativen strukturalen Textanalyse mit einer quantitativen korpus- und computerlinguistischen Frequenzanalyse. Das Korpus berücksichtigt alle zum jetzigen Zeitpunkt digitalisierten Monographien, Zeitschriftenartikel und staatlichen Lehrpläne zur Literaturvermittlung im Rahmen des Untersuchungsfokus. Es setzt sich aus klassischen Quellen der Bildungsgeschichte, Literaturwissenschaft und Deutschdidaktik sowie zu einem Großteil aus bisher nicht beachteten Quellen zusammen.
Projektinhalt
Das Projekt untersucht den öffentlich-schriftlichen Diskurs der Literaturvermittlung an höheren Schulen im 19. Jahrhundert für alle deutschen Staaten – außer Bayern – mit einem Schwerpunkt auf Preußen vor dem Hintergrund zweier Leitfragen: Inwiefern wird die Fachlichkeit der schulischen Literaturvermittlung durch das Verhältnis von Begriffen, intendierten Unterrichtspraktiken und Vermittlungszielen formiert? In welchen Bezügen steht diese Fachlichkeit zur Ästhetik der im Terminus Kunstperiode überblendeten Romantik und Klassik innerhalb der Sattelzeit (1750–1850)? Im weiten Horizont des Projektes steht die Frage danach, inwiefern die Verfächerung der schulischen Vermittlung einer ersten Sprache im 19. Jahrhundert die weitere Entwicklung des Fachs Deutsch fundiert.
Das maschinenlesbare Korpus FaDe:Live (1782–1891) und das Erkenntnisinteresse kennzeichnen das Projekt makromethodisch als eine begriffsgeschichtlich und praxeologisch ausgerichtete Diskursanalyse. Mesomethodisch verschränkt der Ansatz eine qualitative, strukturale Analyse mit quantifizierenden, frequenzanalytischen Verfahren der Digital Humanities. Dementsprechend liegt ihm eine Hermeneutik zugrunde, die analog zum distant und close Reading mit der Metapher scalable Reading als ein stufenweiser Wechsel zwischen unterschiedlich nahen und distanzierten Ebenen heuristisch umschrieben wird. Das Korpus und der methodische Zugang stehen exemplarisch für eine integrative und interdisziplinäre Geschichte der Fachlichkeit.
FaDe:Live (1782–1891) umfasst nicht nur die ideengeschichtlich repräsentativ geltenden Quellen, sondern unterliegt dem Anspruch, alle digital verfügbaren Quellen im Kontext des Studienrahmens zu integrieren. Es wird mit OCR sowie Text Mining quantifiziert und auf dieser Grundlage visualisiert, um Aussagen über das gesamte Korpus, Subkorpora und Textgruppen zu treffen, die wiederum an qualitativ rekonstruierte Aussagen gekoppelt werden.
Die Vorverarbeitungsstufen bilden die Basis für Vokabellisten, Dokument-Term-Matrizen, tf-idf-Matrizen, Kosinus-Matrizen, Themenmodelle, Wort-Vektor-Modelle, Verlaufs- und Clusterdiagramme. Zudem werden aus den Metadaten Statistiken generiert, etwa zur Anzahl der Autorinnen und Autoren, zu den Veröffentlichungsorten und Zeitschriften.
Hendrick Heimböckel
Hendrick Heimböckel
Universität Osnabrück
hendrick.heimboeckel@uni-osnabrueck.de
Erfahren Sie mehr unter
https://lidios.wordpress.com/forschung-neu-2/habilitations-projekte/
Fügen Sie Ihr DH-Forschungsprojekt dem Projektschaufenster hinzu, indem Sie eine kurze Projektbeschreibung über das Webformular einreichen. Geben Sie Projektdaten, eine Kurzbeschreibung, eine Grafik oder Visualisierung sowie eine detaillierte Beschreibung des Projektinhalts mit fachlicher Zuordnung, Adressaten, Mehrwert, Projektverantwortlichen, Finanzierungsinformationen und Laufzeit an.

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