{"id":2462,"date":"2024-04-17T17:12:52","date_gmt":"2024-04-17T15:12:52","guid":{"rendered":"https:\/\/dig-hum.sjstudios.eu\/?page_id=2462"},"modified":"2024-04-17T17:24:27","modified_gmt":"2024-04-17T15:24:27","slug":"thesen-digital-humanities-2020","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/digitalhumanities.de\/en\/thesen-digital-humanities-2020\/","title":{"rendered":"Thesen: Digital Humanities 2020"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"2462\" class=\"elementor elementor-2462\" data-elementor-post-type=\"page\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-277773a2 e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"277773a2\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-143803 elementor-widget__width-initial elementor-widget-mobile__width-initial elementor-widget elementor-widget-heading\" data-id=\"143803\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"heading.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t<h1 class=\"elementor-heading-title elementor-size-default\">Thesen: Digital Humanities 2020<\/h1>\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-1ea021da elementor-widget__width-initial elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"1ea021da\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Die Kombination geisteswissenschaftlicher und informationstechnologischer Denkmodelle und Arbeitstechniken hat zwar bereits eine lange Tradition &#8211; in j\u00fcngster Zeit hat diese f\u00fcr beide Bereiche fruchtbare Symbiose \/ Kombination unter dem Namen &#8222;Digital Humanities&#8220; jedoch eine besondere Bedeutung gewonnen. Der Verband &#8222;Digital Humanities im deutschsprachigen Raum&#8220; (DHd) ist ein Forum f\u00fcr dieses Forschungsfeld und die formelle Interessenvertretung f\u00fcr Forscherinnen und Forscher, die sich im deutschsprachigen Raum in Forschung und Lehre \u2013 unabh\u00e4ngig von ihrer jeweiligen Fachdisziplin \u2013 damit besch\u00e4ftigen.<br \/>Die Digital Humanities sind seit dem Jahre 1949 aus vielen Wurzeln entstanden: Alle an den Philosophischen Fakult\u00e4ten gelehrten F\u00e4cher haben zu ihrer Herausbildung beigetragen; alle Anwendungsfelder der Informationstechnologien sind f\u00fcr die Geisteswissenschaften relevant \u2013 und relevant sind, obwohl dies f\u00fcr die Geisteswissenschaften mitunter auf den ersten Blick nicht zu erkennen sein mag, auch abstraktere Konzepte der Informatik jenseits der konkreten Werkzeuge.<br \/>Diese Breite des Forschungsfeldes bestimmt seinen Reichtum; sie macht es aber gleichzeitig schwierig, seine Konturen zu erkennen und erschwert neu hinzukommenden Kolleginnen und Kollegen die Einbindung. Wir schlagen daher vor, im Rahmen der <em>Digital Humanities im deutschsprachigen Raum <\/em> einen Diskussionsprozess zu beginnen, der Selbstverst\u00e4ndnis, Aufgabenstellungen und Entwicklungsperspektiven der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum thematisiert und die Konturen des Forschungsfeldes sch\u00e4rft.<br \/>Um diesen Prozess einzuleiten, legen wir zun\u00e4chst neun Thesen vor, die Felder definieren, deren konzeptuelle Abkl\u00e4rung wir f\u00fcr vordringlich erachten. Wie ein solcher Diskussionsprozess organisatorisch weitergef\u00fchrt werden kann, wird auf der Jahrestagung der <em>Digital Humanities im deutschsprachigen Raum <\/em>im M\u00e4rz 2014 in Passau zu besprechen sein.<\/p><h2>\u00a0<\/h2><h2><strong>1. Die Digital Humanities<\/strong><\/h2><h3><strong>1.1 Die Digital Humanities als Epistemologie und Methodik<\/strong><\/h3><p><em>D<\/em><em>i<\/em><em>e Digital Humanities bereichern die traditionellen Geisteswissenschaften konzeptionell und methodisch &#8211; ihre Werkzeuge und Verfahren erg\u00e4nzen das \u201cWie\u201d unserer Praxis um eine empirisch ausgerichtete Epistemologie. <\/em><br \/>Der Begriff \u201cDigital Humanities\u201d bezeichnet eine Epistemologie und Methodik, die intersubjektiv reproduzierbare Erkenntnis in den Geisteswissenschaften zum Ziel hat. Diese Epistemologie und Methodik zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:<\/p><ol><li>Bezug auf und Relevanz f\u00fcr den Gewinn wissenschaftlicher Erkenntnisse \u00fcber Geistesartefakte;<\/li><li>Konzeptualisierung dieser Gegenst\u00e4nde als sogenannte \u201adigitale\u2018 Erkenntnisobjekte, die in diskrete, quantifizierbare Komponenten und Zust\u00e4nde zerlegbar sind;<\/li><li>Annotation, Analyse, Aggregation und Rekombination von geisteswissenschaftlichen Objekt- und Metadaten in Kombination von algorithmischen und hermeneutischen Prozeduren;<\/li><li>Operationalisierung qualitativer geisteswissenschaftlicher Fragestellungen auf der Basis formaler, logisch-mathematischer Verfahren der Informatik;<\/li><li>Heuristische Interpretation der Ergebnisse quantitativer Datenanalysen zur Formulierung neuer qualitativer geisteswissenschaftlicher Fragestellungen.<\/li><li>\u00dcberschreitung disziplin\u00e4rer, sprachlicher, kultureller und nationaler Grenzen und Einnahme holistischer Sichtweisen. Zudem sind den Digital Humanities Projektorientiertheit und kooperative Herangehensweisen inh\u00e4rent.<\/li><\/ol><h3>\u00a0<\/h3><h3><strong>1.2 Die Digital Humanities und ihre Werkzeuge<\/strong><\/h3><p><em>Be<\/em><em>i allem methodischen und theoretischen Anspruch ist f\u00fcr die Digital Humanities zugleich eine pragmatische Orientierung kennzeichnend. Die Entwicklung und Bereitstellung informationstechnischer Werkzeuge geh\u00f6rt deshalb zu ihren zentralen Merkmalen. <\/em><br \/>Dass die Geisteswissenschaften Methoden, die digitale Werkzeuge erfordern, umso bereitwilliger einsetzen, je einfacher ihre Anwendung ist, kann nicht \u00fcberraschen. Der kompetenten Anwendung der jeweils letzten Generation allgemein verf\u00fcgbarer technischer Hilfsmittel, dem anschaulichen Gewinn aus dieser Anwendung, kommt bei der Verbreitung der digitalen Methoden daher eine Schl\u00fcsselrolle zu.<br \/>Dabei darf es jedoch nie dazu kommen, dass die Frage der Antwort angepasst wird: Wenn herk\u00f6mmliche Datenbanksysteme pr\u00e4zise Datierungen erwarten, ein Kunsthistoriker eine Datierung jedoch nur in das letzte Drittel eines Jahrhunderts vornehmen kann, sind die F\u00e4higkeiten der Datenbank anzupassen, nicht die Konzeptualisierung der Kunstgeschichte. Eine Diskussion der in diesem Sinne notwendigen Werkzeuge ist eine wichtige Aufgabe der Digital Humanities. Dies \u00e4ndert nichts daran, dass die Kompetenz im Umgang mit inhaltsneutralen technischen Werkzeugen eine selbstverst\u00e4ndliche Voraussetzung f\u00fcr ihre inhaltsspezifische Anpassung ist; noch, dass es viele geisteswissenschaftliche Arbeitsfelder gibt, wo die bestehenden inhaltsneutralen Werkzeuge vieles erleichtern.<br \/>Derartige Weiterentwicklungen der Technologien m\u00fcssen jedoch so durchgef\u00fchrt werden, dass sie wiederverwendbar bleiben: Die Zahl von Projekten, die in den letzten 50 Jahren L\u00f6sungen f\u00fcr das erw\u00e4hnte Datierungsproblem gefunden hat, k\u00f6nnte vierstellig sein, h\u00e4tte man Zugang zu allen Projektberichten &#8211; die Zahl von Ver\u00f6ffentlichungen liegt im dreistelligen Bereich. Nichtsdestoweniger wird ein Projekt, das diesem Problem in K\u00fcrze wieder begegnet, mutma\u00dflich eine neue L\u00f6sung innerhalb der verwendeten Softwareumgebung finden m\u00fcssen. Es sind also auch Mittel und Wege zu finden, um zu wiederverwendbaren, standardisierten Werkzeugen zu kommen. Datenbezogene Standards k\u00f6nnen dabei helfen; aber nur wenn ihnen ein abstraktes Datenmodell zu Grunde liegt. Derzeit in den Geisteswissenschaften verwendete Standards erf\u00fcllen diese Bedingung fast nie.<br \/>Es ist zu unterstreichen, dass \u201eWerkzeuge\u201c auf sehr unterschiedlichen Komplexit\u00e4tsebenen existieren k\u00f6nnen: Temporale Queries in Datenbanksystemen wurden ihrer Anschaulichkeit halber gew\u00e4hlt. Das Gesagte gilt aber gleicherma\u00dfen auch f\u00fcr Systeme wesentlich h\u00f6herer Komplexit\u00e4t: Auch Annotationssysteme sind Werkzeuge im hier beschriebenen Sinn, deren Komponenten sich m\u00f6glichst nahtlos in unterschiedliche Verarbeitungskontexte einf\u00fcgen sollten.<\/p><h2>\u00a0<\/h2><h2><strong>2. Die Digital Humanities und ihr Umfeld<\/strong><\/h2><h3><strong>2.1 Die Digital Humanities und die Geisteswissenschaften<\/strong><\/h3><p><em>D<\/em><em>i<\/em><em>e Digital Humanities stehen nicht au\u00dferhalb der Geisteswissenschaften, sie sind einer ihrer Teile. Die \u00dcbertragbarkeit von Modellen, Methoden und Werkzeugen von einer traditionellen Disziplin auf eine andere hilft bei der \u00dcberwindung disziplin\u00e4rer Grenzen. <\/em><br \/>Die technischen Entwicklungen und ihre fachspezifische Operationalisierung in den Digital Humanities stellen auch die Disziplinarit\u00e4t etablierter geisteswissenschaftlicher F\u00e4cher vor neue Herausforderungen. Die Tatsache, dass die Digital Humanities Artefakte als \u201aregelhaft organisierte Mengen diskreter, wohldefinierter Einheiten\u2019 konzeptualisieren, f\u00fchrt dazu, dass beispielsweise Texte st\u00e4rker in ihren strukturellen (phonetischen, morphologischen, syntaktischen, semantischen) Bestandteilen wahrgenommen werden. Dies f\u00fchrt in historisch orientierten literaturwissenschaftlichen Disziplinen (wie etwa der germanistischen Medi\u00e4vistik) dazu, dass \u2013 nach den kulturwissenschaftlichen Orientierungen der Jahre um 2000 \u2013 wieder Bereiche wie Lexikologie, historische Grammatik, Sprachgeschichte ins Blickfeld r\u00fccken, beispielsweise durch elektronisch verf\u00fcgbare Hilfsmittel wie W\u00f6rterb\u00fccher oder durch Digitalfaksimiles und Texttranskriptionen in elektronischen Editionen. Diese Hilfsmittel haben sich als so n\u00fctzlich erwiesen, dass sie auch von Vertretern kulturwissenschaftlicher Ans\u00e4tze gerne verwendet werden, die der editorisch \/ hilfswissenschaftlichen Tradition, aus der sie entstanden sind, sonst eher skeptisch gegen\u00fcberstehen.<\/p><h3><strong>2.2\u00a0 <\/strong><strong>Die <\/strong><strong>Digital <\/strong><strong>Humanities <\/strong><strong>and <\/strong><strong>die <\/strong><strong>Informatik<\/strong><\/h3><p><em>T<\/em><em>ec<\/em><em>hnische L\u00f6sungen f\u00fcr geisteswissenschaftliche Probleme erfordern ein tieferes<\/em><em> Verst\u00e4ndnis der M\u00f6glichkeiten der Informatik, das \u00fcber die blo\u00dfe Anwendung hinausgeht und unmittelbar auf die Theoriebildung einwirkt.<\/em><br \/>Die technologische Entwicklung hat in den letzten Jahrzehnten die Art, wie wir mit Information umgehen und kommunizieren radikal ver\u00e4ndert. Selbstverst\u00e4ndlich nutzen die Geisteswissenschaften diese Technologien genauso intensiv, wie die Gesellschaft insgesamt. Diese aus der allgemeinen Entwicklung \u00fcbernommenen Technologien werden meist sp\u00e4testens einige Jahre nach ihrer Einf\u00fchrung zu selbstverst\u00e4ndlichen Standards und ohne bewusste Entscheidung verwendet. Es gibt jedoch auch Felder geisteswissenschaftlicher Forschung, die versuchen, durch den Einsatz moderner Informationstechnologien oder aus der Informatik abgeleiteter Instrumente inhaltliche Ergebnisse zu erzielen, die ohne den Einsatz dieser Instrumente entweder gar nicht zu erzielen w\u00e4ren, oder bei denen dies nur auf einer niedrigeren Ebene intersubjektiver Nachpr\u00fcfbarkeit geschehen k\u00f6nnte.<br \/>Derartige Instrumente k\u00f6nnen aus allgemeinen Prinzipien der Softwaretechnologie und der Informatik abgeleitet werden: Der Versuch, diese Prinzipien unver\u00e4ndert anzuwenden, greift jedoch meist zu kurz. Die meisten Anwendungen der Informatik setzen voraus, dass Daten widerspruchsfrei, eindeutig und konsistent sind. Dies sind sie in den Geisteswissenschaften nur im Ausnahmefall. Im weiten Methodenspektrum der Informatik gibt es nat\u00fcrlich auch Ans\u00e4tze zum Umgang mit Daten, die die genannten Pr\u00e4missen verletzen: Deren Verwendung bei der Implementation von neuen Verfahren und Werkzeugen ist jedoch nicht selbstverst\u00e4ndlich. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Problemen, f\u00fcr die in den letzten Jahrzehnten pragmatische L\u00f6sungen f\u00fcr den Umgang mit immer wiederkehrenden Problemen in geisteswissenschaftlich motivierten Projekten gefunden wurden. Selbst wenn diese durch Informatiker implementiert wurden, sind sie anderen Informatikern nicht automatisch bekannt.<br \/>Die Zusammenarbeit zwischen den Geisteswissenschaften und der Informatik kann also nicht durch die \u00dcbernahme fertiger L\u00f6sungen geschehen, sondern nur durch die gemeinsame Analyse der fachspezifischen Probleme, in Kenntnis der interdisziplin\u00e4ren Traditionen.<\/p><h3><strong>2.3 Die Digital Humanities und die klassischen Informationssysteme der Geisteswissenschaften<\/strong><\/h3><p><em>D<\/em><em>i<\/em><em>e Geisteswissenschaften haben eine lange Tradition der Nutzung von Bibliotheken, Archiven und Museen. Die Formen dieser Kooperation m\u00fcssen gemeinsam den M\u00f6glichkeiten angepasst werden, die sich durch die neuen Technologien ergeben. <\/em><br \/>Die klassischen Informationssysteme &#8211; Bibliotheken, Archive, Museen &#8211; spielen f\u00fcr die Digital Humanities eine wichtige Rolle. Sie bilden gleichsam das R\u00fcckgrat und die Voraussetzung f\u00fcr die Anwendung und Weiterentwicklung digitaler Methoden. Sie treiben die Transformation des kulturellen Erbes in eine digitale Form voran und schaffen zugleich die notwendigen Rahmenbedingungen, um aus Forschungsprojekten erwachsene Daten und Arbeitsergebnisse zuverl\u00e4ssig zu sichern sowie \u00fcber geeignete offene Schnittstellen wieder in den Forschungskreislauf einzuspeisen. Im Einzelnen betrifft dies die<\/p><ul><li>Schaffung von institutionellen Rahmenbedingungen f\u00fcr die Langzeitarchivierung und vertrauensw\u00fcrdiger Archive f\u00fcr digitale Medien,<\/li><li>Entwicklung einer abgestimmten nationalen und internationalen Strategie zur Transformation des kulturellen Erbes durch vollst\u00e4ndige Digitalisierung aller forschungsrelevanten analogen Quellen, unabh\u00e4ngig davon, ob es sich dabei um Texte, Bilder, Tontr\u00e4ger, Filme oder Objekte handelt, sowie, soweit anwendbar, deren Konversion in maschinenlesbare Form,<\/li><li>Aufbau und Bef\u00f6rderung einheitlicher Standards f\u00fcr die Archivierung, Publikation und Nachnutzung von Texten und Daten unter besonderer Ber\u00fccksichtigung des <em>s<\/em><em>emantic web<\/em>,<\/li><li>Aufbau von digitalen Sammlungen, die Auskunft \u00fcber Art, Umfang und Qualit\u00e4t ihrer Zusammensetzung geben,<\/li><li>Durchsetzung von Angeboten zur offenen Nachnutzung aller Ressourcen im OA und unter freien Lizenzen (z.B. CC),<\/li><li>Integration der publizistischen Forschungsergebnisse in den digitalen Forschungskreislauf durch Entwicklung mediengerechter Publikationsformate und Aufbau geeigneter Publikationsserver.<\/li><\/ul><p>\u00a0<\/p><h3>\u00a0<\/h3><h3><strong>2.4 Die Digital Humanities und die Virtuellen Infrastrukturen<\/strong><\/h3><p><em>Vi<\/em><em>r<\/em><em>t<\/em><em>uelle Infrastrukturen erm\u00f6glichen die gemeinsame Nutzung generischer Dienste und bieten eine grundlegende Basis f\u00fcr Werkzeuge. Solche Infrastrukturen sollten vorhandene Anforderungen erf\u00fcllen, Werkzeuge sollten kompatibel zu ihnen entwickelt werden. <\/em><br \/>Mit der zunehmenden Komplexit\u00e4t der Algorithmen, der zunehmenden Gr\u00f6\u00dfe der untersuchten Datenbest\u00e4nde und dem die Zusammenarbeit st\u00e4rker betonenden Arbeitsstil, wird eine leistungsstarke technische Infrastruktur f\u00fcr die Digital Humanities immer wichtiger. Deshalb entwickeln sich gegenw\u00e4rtig virtuelle Forschungsinfrastrukturen, wie sie f\u00fcr die Naturwissenschaften schon lange \u00fcblich waren, auch in den Geisteswissenschaften. Ziel hierbei ist es, alle einschl\u00e4gigen projekt-\u00fcbergreifenden Anforderungen, die Digital Humanities-Projekte haben, zu erf\u00fcllen. Abh\u00e4ngig von der \u00f6rtlichen Lage und organisatorischen Einbettung eines Projekts k\u00f6nnen solche Anforderungen schon in der reinen Zurverf\u00fcgungstellung von virtuellen Servern und Speicherplatz bestehen. In jedem Fall k\u00f6nnen Projekte aber profitieren von generischen Diensten, wie der Einbettung von Anwendungen in eine \u00fcbergreifende Authentifizierungs- und Autorisierungsinfrastruktur, der Bezugsm\u00f6glichkeit von permanenten Identifikatoren f\u00fcr Daten und der Bereitstellung von Datenbank-Infrastrukturen. Neben<br \/>inhaltsneutralen Diensten, k\u00f6nnen virtuelle Forschungsinfrastrukturen f\u00fcr die Geisteswissenschaften aber auch fachbezogene projekt\u00fcbergreifende Dienste anbieten, wie zum Beispiel den \u00fcber Metadaten und Volltext erfolgenden Zugriff auf Datensammlungen oder die Bereitstellung von Visualisierungs- und Analysewerkzeugen f\u00fcr h\u00e4ufig in den Geisteswissenschaften verwendete Datentypen, etwa computerlinguistische Verfahren f\u00fcr Sprachdaten oder Darstellungswerkzeuge f\u00fcr Zeit- und Raum-bezogene Daten. Kritisch dabei ist, dass Projekte solche Infrastrukturen kennen und auch bereit sind sie zu verwenden &#8211; weil Infrastrukturen ihre Anforderungen auch wirklich erf\u00fcllen. Schlie\u00dflich sind virtuelle Forschungsinfrastrukturen nur sinnvoll, wenn ihr nachhaltiger Betrieb gesichert ist.<\/p><h3><strong>2.5 Die Digital Humanities und die universit\u00e4re Lehre<\/strong><\/h3><p><em>Die Digital Humanities sind aus spezifischen inhaltlichen Forschungsprojekten entstanden, ihre Methoden entwickelten sich von Fall zu Fall aus dem konkreten Bedarf. Inzwischen sind die DH jedoch zu einem eigenst\u00e4ndigen Fach gereift: Sie sollten sowohl als Bestandteil anderer F\u00e4cher, als auch in dedizierten Studieng\u00e4ngen unterrichtet werden. <\/em><br \/>Was die Lehre von Digital Humanities betrifft, so soll diese l\u00e4ngerfristig auf den folgenden Ebenen erfolgen:<\/p><ul><li>Integration von Digital Humanities in die geisteswissenschaftlichen Einzeldisziplinen, um Studierende fr\u00fchzeitig f\u00fcr die Gesamtproblematik der Digitalisierung, ihrer Erschlie\u00dfungsm\u00f6glichkeiten und Konsequenzen zu sensibilisieren,<\/li><li>Schaffung von Digital Humanities-Studieng\u00e4ngen (BA, MA, Promotion) an Digital Humanities-Professuren oder transdisziplin\u00e4ren Digital Humanities-Zentren, die zwischen den Fakult\u00e4ten angesiedelt sind,<\/li><li>Digital Humanities-Schools als integrativer Bestandteil des Studiums, im Sinne des lebenslangen Lernens, der berufsbegleitenden Weiterbildung, des internationalen Austausches und der Anbahnung gemeinsamer Projekte.<\/li><\/ul><p>Das Ziel von Digital Humanities-Studieng\u00e4ngen muss sein, Mittler zwischen Informatik und Geisteswissenschaften auszubilden, die mit beiden auf Augenh\u00f6he interagieren k\u00f6nnen, die Spezifika geisteswissenschaftlicher Problemstellungen kennen und f\u00e4hig sind, im Sinne der Br\u00fcckenfunktion der Digital Humanities auch kulturwissenschaftliche Konzepte und Denkweisen in die Informatik zu tragen und dort ein Nachdenken \u00fcber die Modellierbarkeit von h\u00e4ufig schwer mess- oder quantifizierbaren bzw. hermeneutisch-erw\u00e4genden Prozessen zu f\u00f6rdern.<br \/>Um Digital Humanities Studieng\u00e4nge \u201ef\u00fcr die gesamte Breite der Geisteswissenschaften\u201c entwickeln zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen prinzipiell Fragestellungen gew\u00e4hlt werden, die in vielen Geisteswissenschaften eine Rolle spielen, wie z. B. geisteswissenschaftliche Forschungsdaten, deren Manipulation und Modellierung, sinnvoller Umgang mit ungef\u00e4hren Datierungen, statistisch korrekter Umgang mit Verfahren automatischer Klassifikation, die Darstellung von Texteditionen in einer Form, die mehrere Emendationen oder Konjekturen als Alternativen erm\u00f6glicht oder, die Artefakten ad\u00e4quate Auszeichnung. In all diesen F\u00e4llen ist Verst\u00e4ndnis der und das inhaltliche Wissen \u00fcber die jeweiligen Artefakte eine unabdingbare Voraussetzung. Zudem ist handwerkliches Wissen gefordert, wie das um existierende Standards, nachnutzungsorientierte Publikationsformen und \u00e4hnliche Themen. Weitere Inhalte ergeben sich aus einer Verallgemeinerung der in Digital Humanities-Projekten ben\u00f6tigten Kenntnisse.<\/p><h2>\u00a0<\/h2><h2><strong><span data-preserver-spaces=\"true\">3. Der Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum<\/span><\/strong><\/h2><h3>\u00a0<\/h3><h3><strong>3.1 Allgemeine Aufgaben des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum<\/strong><\/h3><p><em>D<\/em><em>e<\/em><em>r Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum dient der Selbstorganisation einer neuen transdisziplin\u00e4ren Community und vertritt deren Interessen. <\/em><br \/>Seine gegenw\u00e4rtigen Aufgaben sieht der Verband vornehmlich in:<\/p><ul><li>der F\u00f6rderung und Interessenvertretung einer sich neu organisierenden transdisziplin\u00e4ren Community,<\/li><li>der gemeinsamen Erarbeitung von Leitlinien und Visionen f\u00fcr die Digital Humanities,<\/li><li>der Vermittlung von Interessen aller Beteiligter (Fachdisziplinen, Universit\u00e4ten, Bibliotheken, Forschungszentren, -f\u00f6rderer usw.),<\/li><li>der Koordination von F\u00f6rder-, Lehr-, Weiterbildungs- und Veranstaltungskonzepten,<\/li><li>dem Einsatz f\u00fcr alternative Publikations-, Evaluations- und Anerkennungskulturen,<\/li><li>dem Eintreten f\u00fcr die freie Nachnutzung von Forschungsdaten,<\/li><li>der Mittlerrolle zu internationalen Verb\u00e4nden, insbesondere der European Association of Digital Humanities (EADH) im Kontext der The Alliance of Digital Humanities Organizations (ADHO),<\/li><li>der Mittlerrolle zu Infrastrukturprojekten, wie etwa DARIAH, CLARIN und DoBes,<\/li><li>dem Propagieren neuer f\u00e4cher- oder l\u00e4nder\u00fcbergreifender teamorientierter Organisationsmodelle und<\/li><\/ul><p>Im Hinblick auf die im Mittelpunkt stehende Nachwuchsf\u00f6rderung sollen u. a. neue Veranstaltungsformen erprobt, Stipendien geschaffen und Berufsperspektiven herausgearbeitet werden.<\/p><h3>\u00a0<\/h3><h3><strong>3.2 Der Verband Digital Humanities und die Evaluationskulturen im Bereich von Digital-Humanities-Projekten<\/strong><\/h3><p><em>D<\/em><em>i<\/em><em>e Digital Humanities operieren im Schnittfeld zwischen Geisteswissenschaften und Informatik. F\u00fcr diesen interdisziplin\u00e4ren Arbeitsbereich m\u00fcssen neue, eigene Evaluationskulturen und Peer- Review-Verfahren aufgebaut werden. <\/em><br \/>Digital Humanities werden oft noch als Nebeneinander eines Geisteswissenschaftlers \/ einer Geisteswissenschaftlerin und eines Informatikers \/ einer Informatikerin wahrgenommen, weshalb Forschende in der Regel dazu gezwungen werden, sich einer der beiden Kategorien zuzuordnen. Andererseits ist Digital Humanities-Forschung in der Regel forschungsparadigmen-\u00fcbergreifend (Geisteswissenschaften \u2013 Informatik) bzw. innerhalb der Geisteswissenschaften disziplin-\u00fcbergreifend angelegt, setzt also einen neuen Typus von Forschern und Forscherinnen voraus. Dies sind Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass Kriterien oder <em>Best-practices<\/em>, nach denen Digital Humanities-Projekte evaluiert werden k\u00f6nnen, noch weitgehend fehlen und Evaluationen oft aus dem isolierten Blickwinkel eines der beteiligten F\u00e4cher erfolgen. Erschwerend kommt hinzu, dass internationale Forschungsergebnisse der Digital Humanities (<em>State-of-the-art<\/em>) im deutschsprachigen Raum oft nicht ausreichend zur Kenntnis genommen werden \u2013 allerdings gilt auch das Umgekehrte.<br \/>Um innovative Ans\u00e4tze in diesem neuen Zwischenbereich angemessen zu w\u00fcrdigen, hat sich der Verband <em>Digital Humanities im deutschsprachigen Raum <\/em>die Aufgabe gestellt, die Bedingungen f\u00fcr die Begutachtung von Forschung, die einen Digital Humanities-Anteil aufweist, zu verbessern \u2013 sei es im Rahmen der Begutachtung von Forschungsantr\u00e4gen, in Peer-Review-Verfahren, Rezensionen oder beim Aufstellen von Kriterien f\u00fcr Berufungskommissionen.<\/p><p>Der Verband plant dazu die folgenden Aktivit\u00e4ten:<\/p><ul><li>Er f\u00f6rdert eine wissenschaftliche Anerkennungskultur, die auch dem Forschungscharakter und dem prozessualen Wesen der Projekte in den Digital Humanities Rechnung tr\u00e4gt.<\/li><li>Er fordert und f\u00f6rdert die Etablierung von Digital Humanities-Gremien (<em>Boards<\/em>) in den F\u00f6rderorganisationen und ber\u00e4t bei der sensiblen Auswahl von Fachgutachtern und Fachgutachterinnen.<\/li><li>Er erarbeitet in Zusammenarbeit mit den Bibliotheksverb\u00e4nden Ma\u00dfnahmen zu Einf\u00fchrung der \u201cDigital Humanities\u201d als eigener Kategorie in den einschl\u00e4gigen Klassifizierungssystemen und Schemata, so dass Ver\u00f6ffentlichungen im Bereich der Digital Humanities <em>als solche <\/em>sichtbar sind.<\/li><li>Er f\u00f6rdert den Aufbau von <em>best-practice<\/em>-Dokumentationen und von Richtlinien zur Hilfestellung f\u00fcr Antragstellung und Begutachtung.<\/li><li>Er fordert und f\u00f6rdert eine angemessene Anerkennung und Zuschreibung (credits) von Leistungen im Bereich digitaler Forschung sowie angemessene Karriereperspektiven f\u00fcr den wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich der Digital Humanities.<\/li><\/ul><h3>\u00a0<\/h3><h3><strong>3.3\u00a0 <\/strong><strong>Die <\/strong><strong>Digital <\/strong><strong>Humanities <\/strong><strong>and <\/strong><strong>Publikationskulturen <\/strong><strong>der <\/strong><strong>Geisteswissenschaften<\/strong><\/h3><p><em>D<\/em><em>i<\/em><em>e Digitalen Techniken haben sowohl die Art, wie geisteswissenschaftliche Ergebnisse publiziert werden, als auch die Struktur dieser Publikationen, ver\u00e4ndert. Unabh\u00e4ngig von ihrer W\u00fcrdigung in der Evaluation von Projekten und Karrieren muss dieser Wandel unterst\u00fctzt werden. <\/em><br \/>Die Digital Humanities haben neue Methoden, Fragestellungen und Sichtweisen nicht nur auf die geisteswissenschaftlichen Praktiken, sondern auch auf die Forschungsgegenst\u00e4nde selbst erm\u00f6glicht. Dar\u00fcber hinaus haben sie aber auch ein prinzipielles Nachdenken \u00fcber Wesen und Praxis traditioneller Forschungs- und Evaluationskulturen bewirkt, ja zum Teil sogar dazu gef\u00fchrt, dass diese in Frage gestellt werden. Damit verbunden ist ein Wandel der wissenschaftlichen Kommunikations-, Publikations- und Evaluationskulturen, die nicht nur die Forschenden selber, sondern auch die universit\u00e4ren und auf dem Gebiet der Forschungspolitik und \u2013F\u00f6rderung t\u00e4tigen Institutionen mit einbezieht.<br \/>Der Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum wird diesen grundlegenden Wandel mitbegleiten und insbesondere folgende Punkte in den Fokus seiner T\u00e4tigkeit stellen:<\/p><ul><li>Die F\u00f6rderung des Open Access Gedankens sowohl im Bereich der wissenschaftlichen Publikation als auch der den Projekten zugrunde liegenden Daten.<\/li><li>Die Akzeptanz der Vielf\u00e4ltigkeit der Publikationsformen in den Geisteswissenschaften (von der Mikropublikation, der Datenbank, dem wiss. Blog u.a. bis zum Aufsatz und der Monographie) und die Entwicklung neuer Publikations- und Anerkennungskulturen als gleichwertige Alternativen zu den sog. traditionellen Publikationsformen.<\/li><li>Die Erh\u00f6hung der internationalen Sichtbarkeit deutschsprachiger Publikationen in den Digital Humanities.<\/li><li>Die F\u00f6rderung von sprachlicher und kultureller Diversit\u00e4t als einem Schl\u00fcsselelement geisteswissenschaftlicher Forschung, insbesondere im Spektrum der Digital Humanities und deren Publikationsorganen.<\/li><\/ul>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kombination geisteswissenschaftlicher und informationstechnologischer Denkmodelle und Arbeitstechniken hat zwar bereits eine lange Tradition &#8211; in j\u00fcngster Zeit hat diese f\u00fcr beide Bereiche fruchtbare Symbiose \/ Kombination unter dem Namen &#8222;Digital Humanities&#8220; jedoch eine besondere Bedeutung gewonnen. Der Verband &#8222;Digital Humanities im deutschsprachigen Raum&#8220; (DHd) ist ein Forum f\u00fcr dieses Forschungsfeld und die formelle Interessenvertretung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-2462","page","type-page","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/digitalhumanities.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2462","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/digitalhumanities.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/digitalhumanities.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digitalhumanities.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digitalhumanities.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2462"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/digitalhumanities.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2462\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2467,"href":"https:\/\/digitalhumanities.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2462\/revisions\/2467"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/digitalhumanities.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/digitalhumanities.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/digitalhumanities.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}